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Wowza. Vor genau einem Jahr habe ich die Lancierung von HASSE MIT LIEBE gefeiert.

Ein ganzes Jahr. Das ist ein kleiner Geburtstag – mein Baby ist noch immer genau das: ein Baby. Und dennoch fühlt sich das nach einem Meilenstein an.

Ich wollte unbedingt die richtigen Worte für diesen Newsletter finden. Den einen perfekten ersten Satz, die perfekte Geschichte, um diesem Tag gerecht zu werden. Es ist lustig, wie man immer wieder in seine eigenen Muster tappt. Meine Therapeutin hat mir mal gesagt, dass wir Menschen in Sachen Schemas wie Goldfische sind: Wir vergessen sie – und erinnern uns erst wieder daran, wenn wir mitten im Moment stecken und uns fragen, warum das alles gerade so fürchterlich anstrengend ist.

Genau so erging es mir in den letzten anderthalb Wochen. Ich war komplett blockiert, weil ich das Gefühl hatte, diese Ausgabe perfekt machen zu müssen. Die Ironie dabei: Mein Launch vor einem Jahr lief so gut, weil ich mich damals genau von diesem Druck verabschiedet hatte.

Irgendwann im Mai sass ich damals mit einer Freundin zusammen, die mich in diesem Prozess coachte. Ich hatte vor, im September live zu gehen – mit einem ausgeklügelten Plan, mehreren Schritten, einem Zeitplan für jeden Rollout. Post-its klebten an meiner Wohnzimmerwand und ich tippte ständig neue Ideen in meine Notizen-App. Sie schaute mich an und sagte: «Aber eigentlich ist ja alles ready, oder? Warum nicht einfach machen?»

Ja, warum nicht einfach machen?

Ich realisierte: Der Grund, weshalb ich den Sommer abwarten wollte, war, dass ich möglichst viel Kontrolle haben wollte (Hallo, Frau Kontrolletti!). Ich wollte sichergehen, dass wirklich alles perfekt sitzt. Dabei wusste ich ehrlicherweise längst, dass man diesen Zustand sowieso nie erreicht.

Ein gelungender Launch, eben weil ich mich vom Perfektionismus verabschiedete.

💖 Das habe ich diese Woche geliebt:

  • Back on the court: Ich bin wieder voll und ganz zurück im Tennis-Fieber. Ich darf auch diesen Sommer Teil der Lacoste Academy hier in Zürich sein – Lektionen in kleinen Gruppen, in richtig guten Outfits. So. Verdammt. Toll.

  • Ahornsirup-Ära: Seit ich im März in Kanada war, liebe ich den süssen Sirup auf Müsli, Joghurt oder in der Salatsauce. Ich bin obsessed.

  • Badi, Badi, Badi: Wenn es so heiss ist, gibt es nur einen Ort, an dem ich sein will – am und im Wasser. In Zürich ist das zum Glück kein Problem.

  • Noch ein Ding, das ich bei dieser Hitze liebe: Meinen Dyson Luftbefeuchter. Es gibt wenige Geräte, in die ich sofort wieder investieren würde – dieser gehört dazu. Das ist keine Werbung, sondern eine schlicht unbezahlte Liebeserklärung. Er hat einen stattlichen Preis, aber er rettet mich Sommer für Sommer, weil die feuchte Luft kühlend wirkt.

  • Und last but not least: Nach acht (!) Monaten habe ich es endlich wieder zum Frisör geschafft. Zwei Stunden bei Marco sind für mich wie ein kleines Spa-Treatment. Nicht verhandelbar.

😤 Das habe ich diese Woche gehasst:

  • Ich habe – vor lauter Stress – gleich zwei private Termine diesen Monat vermasselt und musste Menschen enttäuschen. Das mag ich gar nicht.

  • Und dann war da noch die fast volle Olivenölflasche, die mir auf den Küchenboden knallte. Doppelt mühsam: Die Sauerei war exorbitant – und das gute Olivenöl (non filtrato! aus Italien!) einfach futsch.


    Redaktioneller Hinweis: Als ich diesen Text von Claude korrigieren liess, schlug Claude mir vor, eine eigene Rubrik in meinem Newsletter zu starten – für all die Dinge, die ich in den vergangenen Monaten bereits auf meinem Küchenboden zerschlagen habe. Ich zitiere: «Du hast eine schöne Tradition mit kaputten Küchen-Missgeschicken. Tomatensauce, Parmesan, Olivenöl…» Ich denke darüber nach.

Ich habe in diesem Jahr unglaublich viel gelernt. Über mich, über meine Branche, über – entschuldigt den Pathos an dieser Stelle – das Leben.

Eine grosse Lektion, an der ich noch immer arbeite: Ich darf, nein, ich muss sanfter mit mir sein.

Ein konkretes Beispiel. Ich möchte im Juli Ferien machen – ich hatte dieses Jahr bis jetzt keine richtigen, zumindest nicht solche, die über «ich hänge noch zwei Tage an einen Businesstrip ran» hinausgehen. Aber: In unserer kapitalistischen Welt bedeuten zwei Wochen Ferien mittlerweile offenbar vier Wochen Vorarbeit. Ich habe mir Anfang des Monats eine Liste gemacht mit allem, was noch zu erledigen war. Die Liste wurde länger und länger. Wann immer ich das Gefühl hatte, alles im Griff zu haben, rollte die nächste Welle auf mich zu. Ich drohte darin zu ertrinken – was sich unter anderem darin zeigte, dass ich wieder Anzeichen einer Gastritis hatte.

Also zog ich die Notbremse. Ich sagte Termine ab, entschied mich, das Wochenende nicht durchzuarbeiten, nicht noch ein Reel mehr zu posten, nicht doch noch an den einen Social Event zu gehen. Ich wollte aus dem Mindset raus, in dem ich Überanstrengung als Zeichen von Leistung interpretiere. Diese Zeilen schreibe ich aus Graubünden, weil ich spontan die Stadt verlassen habe – für einen ruhigen Tag bei meinen Eltern.

Teil dieser Lektion ist auch, meinen Anspruch auf Perfektion runterzuschrauben. Wirklich iterativ zu arbeiten: prüfen, was funktioniert und was nicht, stetig justieren, den Prozess nie als abgeschlossen betrachten. Dieser Newsletter sah vor einem Jahr noch anders aus. Und ja, nach diesem Sommer schicke ich euch gerne eine Umfrage, in der ihr mir sagen könnt, von was ihr mehr oder weniger wollt. Auch diese Umfrage hätte in einer perfekten Welt schon heute existiert.

(Das Krasse ist ja, dass ich in diesen Momenten tatsächlich glaube, dass hier irgendjemand diese Zeilen liest und denkt: Na, nach Graubünden kann sie noch reisen, aber für die Umfrage bleibt keine Zeit?!)

Viele Tränen, viel Glück

Ich bin heute eine andere Person als noch vor einem Jahr, und ein grosser Teil davon hat mit Hasse mit Liebe zu tun.

Ich erlaube es mir, mich hier kurz zu feiern – weil mir das erst zu spät bewusst wurde, wie mutig dieser Schritt eigentlich war. Ich habe meinen sicheren, guten Medienhausjob an den Nagel gehängt und mein eigenes Ding gemacht. Ich habe ein Unternehmen um mich herum gegründet, für das ich nicht nur kreative, sondern auch wirtschaftliche Verantwortung übernehme. Und ich habe mich immer wieder aus meiner Komfortzone bewegt, auch wenn ich davor Angst hatte. Nicht selten sind in diesem Jahr Tränen geflossen – Tränen der Überforderung, Tränen der Angst, dass meine Pläne nicht aufgehen, Tränen, weil ich dachte, ich bin nicht gut genug.

Aber gleichzeitig überwiegt ein Gefühl: Ich bin so viel glücklicher mit dem, was ich mache. Erst neulich hat mich eine Freundin gefragt, was ich tun würde, wenn ich einfach so zwei Millionen Franken geschenkt bekäme. Die Antwort ist einfach: Genau das, was ich mache – nur ohne die ganzen Side-Hustles. Ich würde mich einzig und allein auf dieses Projekt konzentriert. Die Tatsache, dass sich das alles nicht wie ein Job anfühlt, sondern – wieder, sorry für den Pathos – wie ein kleines Geschenk an mich selbst, ist ein riesiges Privileg. (Und ich würde natürlich schlau investieren, damit ich das noch möglichst lang weitermachen kann. Mehr zum Thema in dieser Podcast-Folge!)

Apropos Finanzen: Es fällt mir ehrlich gesagt noch immer schwer, um Geld für meine Arbeit zu bitten. Ich finde es innerlich fast ein bisschen furchtbar – was natürlich kompletter Unsinn ist, wie mir jede vernünftige Freundin sofort bestätigen würde. Also übe ich das hiermit laut: Ich mache das alles hier ohne Medienhaus im Rücken, ohne Redaktion, ohne Sicherheitsnetz. Wenn ihr meine Arbeit mögt und unterstützen wollt – ein Abo gibt es bereits ab 5.50 Franken.

Für alle, die bereits dabei sind: Danke. Im Juli kommt ein Empfehlungsspecial als Sommerpostkarte. Der reguläre Rhythmus geht dann im August weiter – bis dahin gönne ich mir eine kleine Pause. Die brauche ich jetzt, glaube ich, wirklich.

Danke, dass ihr hier seid. Geniesst den Sommer

Con tanto amore!

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Zu meiner Person: Ich bin Journalistin, Podcasterin und Moderatorin. Ich war zuletzt in der Chefredaktion des «Tages-Anzeigers» tätig und davor stellvertretende Chefredaktorin bei «annabelle». Ich schreibe und rede über Politik, Popkultur, Zeitgeist- und Lifestyle-Themen und über Dinge, die mich in meinem Leben gerade beschäftigen. Du kannst meinen gleichnamigen Podcast «Hasse mit Liebe» auf Spotify oder Apple Podcast streamen oder auf Youtube anschauen. Schön, dass du hier bist!

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