Letzte Woche war ich zu Gast im Kellertheater Winterthur, um im «Kulthurpuls» über Selbstoptimierung zu sprechen. Die Idee dieser Veranstaltung finde ich ganz zauberhaft: Im ersten Teil findet das Gespräch zum Thema des Abends zwischen den eingeladenen Gästen statt. Dann, im Anschluss, setzen sich die Zuschauer:innen mit an den grossen Holztisch in der Mitte des Raumes und man diskutiert im Plenum gemeinsam weiter. 

Und so sassen wir da und redeten über die Schönheitsideale der Kardashians, über Optimierung im Alter, über Longevity und über die Privilegien, überhaupt das Leben mit medizinischer Unterstützung verlängern zu können. Besonders grossartig fand ich, dass in unserem Publikum ein 88-Jähriger sass – und eine 11-Jährige, die ihren Vater zum Talk begleitete.

Während der ältere Herr erzählte, er habe erst in den letzten 20 Jahren angefangen, sich Gedanken über das Älterwerden zu machen, weiss die 11-Jährige bereits jetzt, was Hyaluron bedeutet. Was natürlich Sinn macht – auf der einen Seite die Nachkriegszeit, auf der anderen die Gen-Z-ich-bin-mit-Social-Media-aufgewachsen-Realität.

Zwei Menschen, 77 Jahre Altersunterschied, eine Diskussion über Schönheit und Altern. Ich war absolut fasziniert. Mir wurde klar: Wie sehr ich diese echte Auseinandersetzung mit Menschen schätze. Was für ein Geschenk es sein kann, mit anderen Menschen an einem Tisch zu sitzen und zu diskutieren.

Diese Woche habe ich in einem anderen Gespräch einen Begriff kennengelernt, der mich nicht mehr ganz losliess: «Business to Agent to Customer». Gemeint ist damit, dass künstliche Intelligenz zunehmend als Katalysator zwischen Unternehmen und Kund:innen fungiert. Konkret könnte das zum Beispiel bedeuten: Eine KI entscheidet, welche Dinge bald im eigenen Kühlschrank fehlen werden, und löst selbst Einkäufe aus, die dann nach Hause geliefert werden.

Menschen würden weniger Zeit in Supermärkten verbringen. Weniger Zeit in Läden. Weniger Zeit in echter Interaktion mit der Welt da draussen. Und das ist nur eines von vielen Szenarien, die wir durchspielen können

Ich nutze KI selbst als smarte Assistenz für meine Arbeit – das ist keine grundsätzliche Technologie-Kritik. Aber: Bereits bei meiner Zeit bei Tamedia habe ich in verschiedenen Projekten – und vor allem in den Interviews mit unterschiedlichen Zielgruppen – eine Erkenntnis gewonnen: Je stärker die Digitalisierung voranschreitet, desto grösser wächst das Bedürfnis nach echtem Austausch. 

Und genau das habe ich an diesem Abend in Winterthur gespürt: Kein KI-Agent dieser Welt hätte mir so lebhaft, berührend und spannend zugleich die Lebensrealitäten zweier Menschen darlegen können, zwischen denen 77 Jahre liegen. Für mich als Journalistin war dieses Gespräch an diesem Tisch ein Traum. Ich habe so viele Impulse erhalten zu Themen, die mich bewegen. 

Aber bevor ich euch erzähle, was genau ich an diesem Abend gelernt habe, muss ich euch noch von ein paar Dingen berichten, die ich diese Woche geliebt und gehasst habe.

💖 Das habe ich diese Woche geliebt

  • Lily Allen hat ein neues Album herausgebracht, es heisst «West End Girl» und setzt sich - recht unverblümt und schonungslos - mit ihrer gescheiterten Ehe auseinander. Ein tolles Album, das mein Millennial-Herz höher schlagen lässt. (Meine two cents dazu findet ihr hier auf Instagram)

  • Ich habe mir eine One-Pot-Lasagne gekocht und es war das perfekte, wärmende Lazy-Girl-Dinner.

  • Bei meinem Secondhand-Sale «Très Sale», den ich zusammen mit meiner Freundin Nathalie in Zürich veranstaltet habe, habe ich einer meiner besten Freundinnen eine wunderbare Clutch abgekauft. Dass sie für mich und für sie eine gewisse emotionale Bedeutung hat, macht sie nur noch schöner. Deshalb liebe ich circular fashion!

  • Ich habe mit ein paar Freundinnen Visionboards gebastelt, dabei geyappt und Cremant getrunken. Bestes Abendprogramm seit langem.

😤 Das habe ich gehasst:

  • Um überhaupt meinen Kleidersale veranstalten zu können, musste ich mich durch meinen Kleiderschrank kämpfen. Leider gehöre ich zu den Menschen, die maximal sechs Monate Ordnung in ihrem Schrank haben. Ab dem vierten Monat schleicht sich langsam die Anarchie ein. Irgendwann muss ich dann die Türe meines Einbauschranks mit meinem ganzen Körper zudrücken, weil Pullis und Hosen rausquillen. Ich wäre gerne Marie Kondo, aber ich bin es wirklich einfach nicht. Und ich spüre übrigens auch null joy beim Aufräumen.

  • Ich werde nicht richtig gesund – und das nun bereits seit zwei Wochen. Ich will mich nicht beklagen, denn immerhin werde ich auch nicht richtig krank, aber ich habe es satt, mich ständig ein wenig so zu fühlen, als hätte mich ein Bus gestreift.

  • Es ist Zeit, meine Krankenkasse wieder anzupassen und erneut kämpfe ich mich durch all diese Modelle und Optionen und frage mich, wie man die Übersicht behalten soll, wenn man keinen Bachelor in Versicherungen hat. Warum muss das so verdammt kompliziert sein?! Und warum werde ich das Gefühl nicht los, dass ich gerade als Frau Mitte 30, besonders draufzahle – weil mein Körper, meine Lebensplanung und mein Alter in jedem Tarif plötzlich als Risiko gelten?

Diese ganze Woche hat mich nachdenklich gemacht. Das Visionboard mit Freundinnen, die Diskussion in Winterthur, selbst das Krankenkassen-Chaos – alles dreht sich irgendwie um die Frage: Wie wollen wir leben? Und was davon optimieren wir wirklich für uns selbst – und was, weil die Gesellschaft es von uns erwartet?

🔒 Im Paid-Bereich erfährst du: Was der Abend im Kellertheater mir über Longevity beigebracht hat (Spoiler: Es geht nicht darum, mit 80 wie 45 auszusehen). Warum Social Media uns beim Thema Selbstoptimierung in die Irre führt. Und: Die wichtigste Frage, die wir uns alle öfter stellen sollten.

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