Ich muss zugeben, dass ich mich mit dieser Kolumne diese Woche irgendwie schwergetan habe. Keine Angst, ich werde jetzt keine Abhandlung über Schreibblockaden verfassen. Es gibt schliesslich nichts Langweiligeres, als wenn Autor:innen über die Leiden des Autor:innen-Seins philosophieren. Die Herausforderung, diesen blinkenden Cursor auf der leeren weissen Fläche des eigenen Bildschirms auszuhalten, interessiert wirklich nur eine Person: die Autorin selbst.

Ich sass diese Woche also vor meinem Laptop und verwarf jede Idee für diesen Newsletter. Alles schien mir zu banal, zu stumpf und zu uninteressant. Warum ich von dieser Unsicherheit erzähle: In den letzten zwei Wochen haben mir gleich mehrere Menschen wirklich sehr liebe Komplimente für meine Arbeit gemacht. (Ach herrje, jetzt auch noch Selbstlob! Ich schwöre euch, das Ganze hat eine Pointe!) Bei diesen Komplimenten wurde immer wieder meine Professionalität oder mein sicheres Auftreten hervorgehoben.

Das hat mich natürlich sehr gefreut, aber gleichzeitig merkte ich auch, dass mein Selbst- und Fremdbild zurzeit total auseinander klafft. Seit ich meinen Newsletter und Podcast gestartet habe, lerne ich mich selbst von einer neuen Seite kennen. Eigentlich würde ich von mir behaupten, dass ich sehr extrovertiert und selbstsicher bin. Doch meine Arbeit der letzten Monate bringt etwas anderes in mir hervor: fiese, hartnäckige Selbstzweifel. Nicht selten fühle ich mich überfordert, ängstlich und – hallo, Herr Imposter! – nicht gut genug.

Genau diese Gefühle habe ich vor wenigen Tagen mit zwei Freundinnen geteilt, die ich alle paar Monate sehe. Beide waren erstaunt, dass es mir so ergeht – unter anderem, so erklärten sie mir, weil es auf Social Media so wirke, als hätte ich alles im Griff. Natürlich sind die sozialen Medien der ideale Verstärker für diese Diskrepanz, die ich fühlte. Während ich – anscheinend – Selbstsicherheit ausstrahle, lass ich mich innerlich von meinen Selbstzweifeln so stressen, dass ich es nicht mal mehr schaffe, Potenzial in meiner eigenen Kreativität zu sehen.

Peak Imposter neulich im Homeoffice.

Und genau das ist der Grund, weshalb ich hier darüber schreibe. Nicht, um euch mit den Attitüden von Autor:innen zu langweilen, sondern weil ich davon überzeugt bin, dass wir über unsere eigene Verletzlichkeit sprechen müssen. Denn erstens hilft es immer zu wissen, dass man mit solchen Gefühlen nicht allein ist, und zweitens müssen Selbstzweifel nicht unbedingt etwas Negatives sein. Ich habe dazu einen passenden Artikel in der «Zeit» gelesen, in dem eine belgische Studie zum Thema zitiert wird. Die Forscher:innen fragten die Teilnehmenden, wie sie zu Aussagen wie «Die Fähigkeit, die eigenen Überzeugungen zu hinterfragen und neu zu bewerten, ist eine gute Eigenschaft» stehen. Was sie herausfanden: Wer bereit ist, seine Überzeugungen zu hinterfragen, zeigt sich weniger autoritär und dogmatisch und ist toleranter gegenüber Widersprüchen.

In einer Zeit, in der das selbstsichere Poltern mächtiger Männer unser Weltgeschehen bestimmt, ist es also vielleicht gar nicht so schlecht, wenn wir uns selbst hinterfragen und uns verletzlich, weich und manchmal verunsichert zeigen. Wir sollten uns von diesen Selbstzweifeln nicht blockieren lassen, sondern sie als Möglichkeit sehen, daran zu wachsen. Denn am Ende – zu diesem Schluss kam übrigens auch die Studie – stärken wir damit auch unsere eigene Empathie.

Eine kleine Portion Selbstzweifel würde so manchem Autokraten auf dieser Welt also wirklich nicht schaden.

(Dazu passt übrigens meine neue Podcast-Episode in der ich mit meiner Freundin Nathalie Ochalek, die täglich mit Influencer:innen zu tun hat, über Authentizität auf Social Media gesprochen habe:)

Frage der Woche

Hier an dieser Stelle behandle ich Fragen aus meinem Podcast, die mir die Community stellt. Ihr könnt mir Fragen via Voicemessage auf Instagram senden oder per Mail.

Diese Woche hat meine Zuhörerin Diana gefragt:

«Was hasst du wirklich, Frau Hasse? »

Hass ist so ein starkes Wort – das weiss ich aus bester Erfahrung. Die Wortspiele mit meinem Nachnamen in der Schule waren nicht vielfältig, sondern hatten eigentlich immer die gleiche Pointe: «Kerstin Hasse? Also so wie der Hass? Hasst du mich? Hasst du dich?» (insert Teenage Gelächter)

Hinzu kommt, dass ich – wie ich in meinem letzten Newsletter erwähnt habe – eigentlich versuche, entspannter durchs Leben zu gehen. Aber ich ahne, dass ich mit meiner neuen Gelassenheit diesmal nicht durchkomme.

Okay, here we go. Dinge die ich wirklich hasse:

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