Hand aufs Herz: Hat euch die Gossip-Ankündigung noch ein wenig schneller auf den Newsletter klicken lassen? Wenn dem so ist: Keine Angst, ich urteile nicht. Ich glaube, wenn es um Klatsch und Tratsch geht, sind wir alle Opfer unserer eigenen Neugier.
Ich habe in den letzten Tagen oft über Gossip nachgedacht. Zum ersten Mal, als ich mit meiner Freundin in meiner Küche sass. Ich nippte an meinem Wein, sie kochte, wir gaben uns gegenseitige Lebensupdates. Was ist bei der Arbeit los, wie war diese eine Party am letzten Wochenende, und eben: «Hast du auch gehört, dass S. diesen einen Pitch nicht gewonnen hat?» und «Stimmt es, dass F. jetzt L. datet»? In unserer langjährigen Freundschaft haben wir einen Circle of Trust aufgebaut, ein kleines Zelt, das sich über solche Abende legt. Was wir sagen, bleibt in diesem Zelt.
Ein paar Tage später sass ich dann mit einem Freund aus der Branche zusammen. Wir teilten uns Knoblauch-Naan mit spicy Chicken Masala beim Inder in meinem Quartier, und ich fragte ihn nach seinem Gerüchte-Update. Er schüttelte lachend den Kopf: «Ich beteilige mich nicht an Gossip.» Ich schaute ihn erstaunt an. «Come on! Das stimmt doch nicht!» Er antwortete: «Wenn Menschen über andere Leute reden, dann gehe ich davon aus, dass sie in anderen Situationen auch über mich sprechen. Da halte ich mich lieber raus.»
Dieses Argument habe ich schon oft gehört. Und dennoch nehme ich es ihm nicht ganz ab. Zum einen, weil ich weiss, dass wir sehr wohl schon – ein bisschen judgy – zusammen über nicht anwesende Menschen gesprochen haben, und zum anderen, weil ich glaube, dass es eben ganz unterschiedliche Sorten von Gossip gibt.
Was mich zu einer weiteren Beobachtung aus den vergangenen Wochen bringt. Ich war an einer Party, und eine Bekannte kam zu meiner Gruppe dazu. Als sich einer meiner Freunde entfernte, sagte sie eine so fiese Bemerkung über ihn, dass ich nicht wusste, wie ich damit umgehen soll. Sie wertete ihn ab, seine Beziehung, ich glaube, ich realisierte erst ein paar Tage danach, wie fest mich dieser Satz verletzte. Und in diesem Moment dachte ich: Wer so über andere Menschen redet, den möchte ich nicht in meinem Freundeskreis haben.
💖 Das habe ich diese Woche geliebt:
Wichtiges Update: Ich habe zwei Stunden mit einer Freundin aus New York telefoniert. Das war viel länger als geplant und deshalb absolut perfekt. Wir hatten uns davor seit Monaten nicht gehört, und es ist so schön, wenn man im richtigen Moment die richtigen Dinge priorisiert.
Ich weiss nicht, wer das hören muss, aber ich habe japanischen Pearl Tea für mich entdeckt. Ich kann es nicht besser erklären als Bubble Tea für Erwachsene. Es ist ein süsslicher Schwarztee, oft mit Sojamilch zubereitet, in dem Tapioka-Perlen schwimmen. Am Zürcher Stauffacher gibt es einen kleinen Shop (Mori), den ich dafür empfehlen kann. Die Frau war so nett und hat mir die Spezialität ganz genau erklärt.
Ich bin letzten Freitagabend nicht ausgegangen, sondern habe meine Wäsche gemacht, mir Udon-Nudeln gekocht und «How to Lose a Guy in 10 Days» geguckt. Es war ein absolut traumhafter Abend.
Ich habe irgendwo gelesen, dass Schlafmasken dabei helfen können, schneller einzuschlafen. Ich bin eine gute Schläferin, aber wenn ich gestresst bin, dann bin ich manchmal zu sehr in meinen Gedanken. Umso schöner, dass ich so eine schöne Maske im Shop im Collab Store gefunden habe. It's giving Breakfast at Tiffany's.
😤 Das habe ich diese Woche gehasst:
Ich hatte einen kleinen Velounfall, nichts Schlimmes, einfach ein paar kleine Blessuren und ein grosses Hämatom am Bein (Meine Freundin sagt, das sei typisch, weil ich zu «frivol» Velo fahre). Ich darf im Moment den Muskel nicht belasten, was absolut nervt, weil ich grad dringend Sport zum Ausgleich bräuchte.
Ich habe ein sehr schweizerisches Problem: Mein «Ich möchte keine
Werbung»-Kleber an meinem Briefkasten wird konsequent ignoriert. Ich erhalte in den letzten Monaten so viele Flyer und Werbebriefe. Und jedes Mal denke ich: Entschuldigung! Herr oder Frau Verteiler:in - hier klebt doch ein Sticker!
Fruchtfliegen. 🤷♀️
Ich gebe es zu: Ich mag Gossip. Ich bin ein neugieriger Mensch, ich will möglichst viel wissen, aus möglichst guten Quellen (was durchaus eine Gefahr bei Gossip ist), ich liebe juicy Stories, überraschende Wendungen, ich liebe gute Geschichten. Ein Freund von mir hat mich genau so vor ein paar Jahren sehr treffend analysiert: «Kerstin, du kannst nicht anders, weil du die Pointe liebst. Du willst die Geschichte erzählen, weil du die Reaktion im Gegenüber sehen möchtest.»
Und dennoch habe ich meine Lektionen in Sachen Gossip gelernt. Ich habe vor allem in meinen Zwanzigern Informationen geteilt, von denen ich nicht dachte, dass sie relevant sind, um erst später zu begreifen, dass sie andere Menschen verletzen könnten. Deshalb hat mir die Analyse meines Freundes tatsächlich geholfen. In Momenten, in denen ich eine richtig gute Story erzählen könnte, frage ich mich: Was ist der eigentliche Grund, dass du diese Geschichte jetzt platzieren möchtest? Einfach, weil du Applaus möchtest?
In meiner Recherche zum Thema habe ich einen interessanten Artikel des «Time» Magazine gefunden. Darin wurden mehrere Forschende befragt, die sich seit Jahren mit Gossip beschäftigen. Der Evolutionspsychologe Frank McAndrew etwa, der seit über zwanzig Jahren dazu forscht, bringt es so auf den Punkt: Gossip ist im Kern nichts anderes als «über jemanden reden, der nicht anwesend ist». Kein Bösheits-Kriterium eingebaut, keine automatische Verurteilung. Die meisten Gespräche, die darunter fallen würden, sind laut Studien weder positiv noch negativ, sondern schlicht Informationsaustausch - so wie ich ihn mit meiner Freundin betreibe: Wer hat einen neuen Job, wer hat sich getrennt, bei wem lohnt sich gerade eine Anfrage. Und evolutionär betrachtet war genau das überlebenswichtig, wer wusste, wem man vertrauen kann, war klar im Vorteil.
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Ich komme ins Kaufleuten, und ihr könnt dabei sein. Alle Infos gibt es hier, Tickets zum Spezialpreis findet ihr hinter der Paywall!
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🔒 Lies hinter der Paywall weiter, was die Wissenschaft über gutes und schlechtes Gossip sagt und ob Frauen tatsächlich mehr gossipen als Männer.
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