This website uses cookies

Read our Privacy policy and Terms of use for more information.

Ferien, wie geht das nochmal? Diese Frage musste ich mir vor zwei Wochen stellen. Ich sass auf einer Terrasse in Pantelleria, im Süden von Italien. Die Sonne ging über dem Meer unter und tauchte den Himmel in dunkles Orange. Vor mir stand ein Glas kalter Weisswein, hellgrüne Oliven und kleine Stücke salziger Pecorino. Picture perfect alles. Eigentlich. Denn in mir drin war überhaupt nichts perfekt. Ich war rastlos und fühlte mich von den kleinsten Dingen gestresst. Ich musste die Seiten meines Buches immer und immer wieder erneut lesen, weil ich mich nicht konzentrieren konnte. Nach Wochen im Hamsterrad und durchpowern bei der Arbeit, war ich überfordert von der Ruhe, dem Nichtstun. Relaxen, ja unbedingt! Aber wie?

Am zweiten Ferientag wachte ich mit Halsschmerzen auf, die sich ein paar Stunden so verschlimmerten, dass ich zu einer Ärztin ging. Der Streptokokken-Test war positiv – yay! Wieder zu Hause brach ich in Tränen aus. So hatte ich mir das alles nicht vorgestellt! Ich habe doch Ferien, mir sollte es doch gut gehen. Ich vergrub mich in meinem Selbstmitleid, wickelte mir verweint mein florales Foulard um den Hals und fürchtete, dass dieser ganze Trip nun gescheitert war.

Natürlich war er das nicht. Am nächsten Morgen wirkte das Medikament, die Schmerzen verschwanden und mit ihnen auch der Weltschmerz. Ich hatte das Gefühl, aus einem schlechten Traum aufzuwachen. Ich schwamm im Meer und danach klebte das Salz an meiner Haut in weissen Kristallen. Ich ass Spaghetti alle vongole und tauchte das italienische Weissbrot in das Öl in meinem Teller. (Fare la scarpetta – gibt's was Besseres?!) Ich schmeckte den Knoblauch und nahm einen Schluck von meinem Weisswein (die Ärztin hat es mir erlaubt, ich schwöre!) – danach bestellte ich einen Bacio Pantesco, eine Spezialität aus Pantelleria: ein frittiertes Küchlein gefüllt mit Ricotta-Creme.

Ich verabreichte mir sozusagen das volle italienische Wohlfühlprogramm.

💖 Das habe ich diese Woche geliebt:

  • Ein letzter tuffo: Vor meiner Abreise aus Pantelleria bewusst früh aufstehen und noch einen letzten Sprung ins Meer machen. Als ich am späten Nachmittag in Zürich ankam, trug ich das Meer also noch auf meiner Haut.

  • Pomodori, per favore: Ich liebe Tomaten und ich glaube, es gibt wenige Dinge, die so gut schmecken, wie eine gute Tomate mit Olivenöl und Salz.

  • Lesen! Ich hatte eine gute Lektüre-Auswahl dabei und habe es genossen, mir ein Buch nach dem anderen zu gönnen. Mehr dazu weiter unten.

  • Einfach malen: Vor ein paar Wochen habe ich mir in Marseille ein kleines, portables Aquarell-Set gekauft. Sechs Farben in einer handgefertigten Holzschachtel. Sechs Farben – unzählige Möglichkeiten. Ich habe neulich ein Reel von Reese Witherspoon gesehen, in dem sie erzählt, dass sie jeden Tag 30 Minuten malt – einfach zur Entspannung. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das schaffe, aber ich will auf jeden Fall wieder mehr malen, weil es meiner mentalen Gesundheit so guttut. (Says the girl with the Stress-Streptokokken hahah)

  • Freundinnen! Ich kam zurück und hatte am gleichen Tag meiner Ankunft einen wunderschönen Abend mit einer meiner besten Freundinnen. Zu Hause sein ist eben auch sehr schön.

😤 Das habe ich diese Woche gehasst:

  • Trotz aller Liebe zu Zürich und den Menschen hier: Ich wollte nicht abreisen, ich wollte mein Inselleben nicht verlassen. Als ich vor ein paar Jahren zum ersten Mal in Pantelleria war, googelte ich am ersten Arbeitstag zurück, mitten in einem nervigen Meeting, bereits „Wie viel kostet ein Haus in Pantelleria" – und im Prinzip hat sich an dieser Suchanfrage bis heute nichts geändert.

  • Gestresste Menschen an Flughäfen: Ich verstehe, dass Reisen stressig sein kann. Was ich nicht verstehe und wohl auch nie verstehen werde, ist, weshalb Menschen diesen Stress an anderen Menschen – wie zum Beispiel Service-Personal – auslassen.

  • Bad Reality TV: Ich bin ja ein bekennender «Love is Blind»-Fan. Aber dieses «After the Altar»-Special aus Grossbritannien, ist wirklich der grösste geskriptete Quatsch, den man sich vorstellen kann.

Und ausserdem ein Punkt, den ich nicht einfach neben Banalitäten aufzählen möchte: An diesem Sonntagmorgen lese ich die Schlagzeilen aus Berlin zum CSD. Der Hass, der queeren Menschen dort wieder einmal entgegenschlägt, hat mich fassungslos gemacht. Es macht mich wütend und traurig zugleich, dass wir 2026 immer noch an diesem Punkt stehen. Und es erinnert mich daran, wie wichtig es ist, hinzuschauen, laut zu bleiben und Solidarität nicht nur zu fühlen, sondern auch zu zeigen.

Später in diesen Ferien habe ich das Buch «The Wedding People» von Alison Espach gelesen. Es handelt von einer Frau, die eine grosse Krise durchmacht und in ein Hotel reist, um ihr Leben zu beenden. Doch die Begegnungen in diesem Hotel, in dem gerade eine grosse Hochzeitsgesellschaft eingecheckt hat, verändern ihre Pläne. Sie merkt, dass sie leben möchte, und begreift, dass sie mit dieser Entscheidung ein neues Leben beginnen kann. Sie findet: Das ist der ideale Moment, um sich ehrlich zu fragen, wer sie sein möchte. In vielen kleinen Momenten entscheidet sie fortan für sich selbst. Sie sagt, was sie denkt, sie geht ihren Bedürfnissen nach und sie gibt sich selbst mehr Platz.

Ich fand diese Fragestellung sehr inspirierend, nicht zuletzt auch in Anbetracht der Tatsache, dass ich so gestresst in diese Ferien gestartet war. Wollte ich jemand sein, dessen Körper so unter Stress steht, dass ich meine Auszeit zuerst mit einem kleinen – ich gebe zu, auch ein wenig melodramatischen – Tränenausbruch beginne? Natürlich nicht. Ich finde es eine gute Übung, sich selbst kurz zu fragen: Wer möchte ich in diesem Leben eigentlich sein, und wie nah bin ich dieser Person in den Entscheidungen, die ich treffe, den Menschen, mit denen ich mich umgebe, den Dingen, die ich sage, und dem Platz, den ich mir einnehme.

Ich weiss nicht, ob es mir gelingen wird, diese Haltung in meinen Alltag zu integrieren.

Aber ich möchte es versuchen.

🚨🚨🚨 Heute gibt es hinter der Paywall nicht nur ein paar Tipps, was man diesen Sommer lesen, schauen, kochen und sich gönnen kann, sondern auch die Möglichkeit, Tickets zu gewinnen für eine Live-Aufnahme meines Podcasts mit Gülsha Adilji als Special Guest.

🔒 Was wir diesen Sommer lesen, hören, kochen und uns gönnen: Ein Liste mit meinen Empfehlungen gibt es im Bezahlbereich.

👉 Dieser Newsletter existiert, weil Menschen mich dafür unterstützen. Wenn du meine Arbeit magst, dann werde jetzt Mitglied – für 5.50 Franken im Monat bist du bereits dabei.

logo

Du willst weiterlesen? Dann löse jetzt dein Upgrade!

Mit einem Abo erhältst du Zugang zu diesem Beitrag.

Freischalten

Reply

Avatar

or to participate

Keep Reading