
Ich habe diese Woche einen interessanten Gedanken auf TikTok aufgeschnappt: Eine Creatorin sprach darüber, dass die Ästhetik vieler Produkte und Brands sich in den letzten Monaten und Jahren verändert hat. Von poliert und perfekt zu messy, chaotisch – und unperfekt. Ihre Theorie: Den Feinschliff, den KI allem so scheinbar problemlos gibt, will man mit dem Gefühl von Echtheit und Unperfektheit entgegenwirken. Daraus entsteht dann eben diese Ästhetik von scheinbar locker dahin gekritzelten Logos oder improvisierten Kampagnen. Das Ziel: real sein.
Das ist natürlich kein neues Ziel, vor allem nicht auf Social Media. Bereits vor der KI-Welle, die so viel von dem Content, den wir online konsumieren, überrollt hat, galt auf diesen Kanälen als besonders erfolgreich, wer authentisch auftritt. Über die Jahre hat sich die Definition von Authentizität bloss immer wieder geändert.
Als ich Instagram zum ersten Mal nutzte, war das eine Plattform, auf der man cute Schnappschüsse hochlud. Ferienbilder, Selfies mit lustigen Filtern, Boomerangs von Ramen-Bowls und spektakuläre Hüpfer in einen See. Diese Ästhetik wurde abgelöst durch die Kuration dieser Inhalte – die Feeds wurden aufgeräumter und geordneter. Profile hatten Farbverläufe und Konzepte. Es war die Zeit, in der viele Influencer:innen Authentizität spielten, etwa in Ich-laufe-gerade-über-die-Strasse-Posts. Oder in Szenen, in denen Haare hinter Ohren gestrichen, Jackenärmel justiert oder – huch – Milchschaum von der Lippe gewischt wurden. Das Ziel: möglichst perfekte Authentizität.
Es brauchte die Disruption der nächsten Generation, um sich endlich von dieser Oat-Latte-Optik zu lösen. Die Gen-Z-User inszenierten sich auf Social Media so, wie sie waren: echt, ungeschminkt und damit viel authentischer. Video mit Pickelpflaster aufnehmen? Kein Problem! Ganz im Gegenteil! Embrace it und pack dir einen Glitzerstern auf den Pickel!
Mittlerweile ist dieser Trend auch schon wieder fast erstickt worden – durch zu viele Kampagnen, die sich dieser Ästhetik bedient haben. Auch das real sein wurde wieder kaputt kuratiert.
💖 Das habe ich diese Woche geliebt:
Spargeln. Spargeln. SPARGELN! Ich bin an diesem Punkt der Spargelsaison angekommen, an dem ich denke, dass es nichts Besseres gibt. Erfahrungsgemäss bedeutet das wohl, dass ich in zwei Wochen keinen Spargel mehr anschauen kann. Same procedure as every year, James. (Für eine gute Spargeltarte: grüne Spargeln kurz blanchieren, auf einen Kuchenteig geben, Rahm-Eier-Liaison darübergiessen, mit Salz, Pfeffer, Zitronenabrieb und einer guten Portion Feta bestreuen – und ab damit in den Ofen.)
Gleich nochmals aus der Küche: hausgemachter Strawberry Matcha. Meine Eltern haben mir hausgemachte Erdbeerkonfi mitgebracht, mit der ich nun meine wildesten Millennial-Matcha-Spassgetränke umsetzen kann.
So bunt, so schön: Meine Freundin Annik hat mir zum Geburtstag Teelöffel von Sabre geschenkt – in den schönsten, buntesten Farben. Sie bereiten mir jeden Morgen Freude.
😤 Das habe ich diese Woche gehasst:
Die Eisheiligen: Ich meine, come on. Es war ein langes Wochenende und wir haben es damit verbracht, dem Wetter dabei zuzuschauen, wie es alle fünf Minuten die Laune wechselt.
Kreuzberg: Ich war für ein paar Tage in Berlin. Und ja, es tut mir wirklich leid, aber ich tue mich sowieso schon schwer mit Berlin – wir haben uns einfach nie gefunden, die Stadt ist zu tough für mich. Und dieser Kiez im Speziellen ist wirklich einfach recht … schmutzig. (Mir ist bewusst, dass das wirklich sehr schweizerisch klingt.)
Auspacken: Es fasziniert mich immer wieder: Während man das Packen eines Koffers mit purer Vorfreude verbindet, gibt es fast nichts Nervigeres, als ihn danach wieder auszupacken. Haben sich die Kleidungsstücke darin verdoppelt?
Ich bin von dieser Frage nach Authentizität nicht befreit. Ich versuche - wie ich es vor ein paar Wochen in einem Content Marketing Kurs gelernt habe – auf Social Media «relatable» zu sein. Das bedeutet: Ich zeige nicht nur die schönen Seiten der Selbstständigkeit oder gebe zu, wenn ich einen Fehler gemacht habe (was ich vor allem als Journalistin wichtig finde). Ich teile auch mal ein Selfie, auf dem ich nicht perfekt aussehe. Aber – Hand aufs Herz – auch dieses Selfie wähle ich natürlich ganz bewusst aus.
Tatsache ist: In Zeiten von Künstlicher Intelligenz wird unser Verlangen nach echten menschlichen Verbindungen wohl noch wachsen. Gleichzeitig werden Maschinen darauf trainiert, genau diese Authentizität zu imitieren. Eine KI, die «imperfect» klingt. Ein Algorithmus, der entscheidet, welche Verletzlichkeit gut performt. Das ist nicht dystopisch gedacht, sondern passiert bereits.
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