Never meet your idols, heisst es. Nach mehreren Jahren im Journalismus weiss ich noch immer nicht, ob das wirklich stimmt. Bei Promis sind die Begegnungen meist einfach sehr flüchtig und ja, manchmal auch sehr enttäuschend. Kelly Clarkson, die mir am Telefon vom Wetter erzählte und schallend lachte, war eine Ausnahme. Ebenso Pamela Anderson, die so dankbar schien, dass man sich Zeit für sie nahm. Die deutsche Schauspielerin Marie Bäumer, die mit einer gewissen Arroganz antwortete, während sie laut ins Telefon schmatzte, weil sie nebenbei ass, ist eher die Regel. Man blickt hinter die Kulissen und merkt: Das sind halt auch einfach nur Menschen.

Bei solchen Interviews bin ich selten nervös. Ich kann mich mittlerweile sehr gut auf meine Rolle konzentrieren. Es ist ein Job.

Aber natürlich gibt es auch Menschen, die einen aus der Ferne beeindrucken. In meinem Fall nicht unbedingt, weil sie berühmt sind oder über irgendwelche Teppiche laufen und viel Geld verdienen, sondern weil sie authentisch ihren eigenen Weg gegangen sind.

Deshalb war ich auch nervös, als ich vor einem Jahr in Sri Lanka eines Abends am Gemeinschaftstisch einer kleinen, paradiesischen Lodge sass und ein Paar den Raum betrat. Ich erkannte sofort, dass die junge Frau mit der grossen schwarzen Brille und den blonden Haaren Emma Gannon ist.

Ich folge der Britin schon seit Jahren. Damals als junge Erwachsene zuerst auf Twitter, später dann auf Instagram und heute auf Substack. Sie inspirierte mich dazu, meinen ersten Blog zu starten – auf dem ich nie wirklich viel postete, weil ich mich eben doch nicht traute. Aber ich sass damals in Graubünden vor meinem Laptop und malte mir aus, wie es sein könnte, wenn jemand tatsächlich meine Texte lesen würde. Ich retweetete ihre Posts und dachte: So wäre ich auch mal gerne.

💖 Das habe ich diese Woche geliebt

  • Magic Monday: Ich war letztes Wochenende in den Bergen und habe mir erlaubt, den Montagmorgen an meinen Trip anzuhängen. Die Euphorie, die man verspürt, wenn man die Woche damit beginnt, auf der Piste in die Sonne zu blinzeln, ist kaum zu überbieten.

  • Süsse Post: Eine Freundin legte mir eine selbst gemachte Kardamom-Schnecke in den Briefkasten und sie war ABSOLUT FANTASTISCH, BUTTRIG UND FLUFFIG. Ich finde, wir sollten Back-Post zwischen Freund:innen unbedingt etablieren.

  • Wie gemalt: Ich habe einen Malworkshop besucht und an einem Freitagabend drei Stunden gemalt. 10/10 can recommend. Wenn ihr ein Hobby habt, das irgendwo in euch schlummert: Probier es mal wieder aus!

  • Vitamin D: Die Sonne ist hier und ich schreibe diesen Newsletter gerade, während ich im Pulli mit hochgekrempelten Ärmeln draussen auf einer Terrasse sitze. Es riecht schon fast nach Frühling!

  • Gut im Flow: Im Claw Collectiv in Zürich hatte ich den perfekten Millennial Freitagmorgen: Zuerst einen dynamischen Flow mit wirklich guten Beats, danach ein Matcha bei dem tolle Gespräche mit den Leuten aus der Klasse entstanden sind. Das Studio gehört einer Freundin, ich kann es wirklich empfehlen, Probeabos gibt es ab 20 Franken.

😤 Das habe ich diese Woche gehasst:

  • Ich war in den Bergen und habe auf der Piste in die Sonne geblinzelt. Was übersetzt heisst: Ich habe mit Geld um mich geworfen. Die Ticketpreise in den grossen Ski-Gebieten sind mittlerweile wirklich ein wenig unerhört. Sollte Skisport nicht zugänglich sein für alle Menschen?

  • Donald Trump hat die CNN-Journalistin Kaitlan Collins zur Schnecke gemacht, weil sie ihre Arbeit gemacht und Fragen zu den Epstein-Files gestellt hat. Ein kleiner Rant von mir dazu findet ihr hier.

  • Ich habe es so lange wie möglich herausgezögert, aber mein iPhone hat das neuste Update gemacht und ich werde mich noch eine Woche lang über alles aufregen, das nicht mehr so ist wie früher.

Emma Gannon hat sich schon früh selbstständig gemacht. Sie begriff weit vor mir, dass ihr das System von Legacy Media nicht die kreative Freiheit geben kann, die sie braucht. Sie schrieb schon 2018 in ihrem Buch «The Multihyphen Method» darüber, wie eine erfolgreiche Karriere aussehen kann, die auf den eigenen Regeln basiert («a manifesto for crafting a career on your own terms»). Sie startete ihren eigenen Podcast, interviewte Personen wie Lena Dunham, sprach öffentlich über Perfektionismus und Burnout. Heute schreibt sie vor allem ihren erfolgreichen Newsletter und bringt regelmässig Bücher heraus – gerade erst eines im Selbstverlag, weil sie die Verlagsbranche als ausbeuterisch für Autor:innen wahrnimmt. (Ich sage ja: Sie ist cool!)

Ich beobachtete all das von der Seitenlinie aus. Heimlich träumte ich weiterhin davon, das zu tun, was Emma tat. Content zu erstellen, der andere inspiriert, egal ob in Form eines Podcasts, Büchern oder Social-Media-Beiträgen – und dabei authentisch und dennoch finanziell erfolgreich zu sein.

Und jetzt stand sie vor mir in Sri Lanka. In einem kleinen, offenen Lodge-Wohnzimmer zwischen weiten, dunkelgrünen Teeplantagen. Ausgerechnet auf der Reise, die ich alleine antrat, um herauszufinden, was ich als nächstes in meinem Leben machen werde. Dass ich ihr am Ende der Welt in die Arme lief, fühlte sich wie ein Zeichen an.

Also wollte ich ihr zeigen, dass ich smart bin. Cool. Dass ich ebenfalls eine interessante Autorin bin. Das ist mir natürlich null gelungen. «Hello Emma, I know you! I follow you on Instagram», platzte es aus mir heraus. Was nicht nur total banal klang sondern auch überhaupt nicht auf den Punkt brachte, was ihre Arbeit eigentlich für mich bedeutet.

Und trotzdem veränderte diese Begegnung einiges für mich.

🔒 Was beim Frühstück passierte, welche Fragen ich mir nachts unter dem Moskitonetz stellte und was ich aus diesem Moment lernte – das liest du im Paid-Bereich.

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