Ich hatte mir dieses Jahr fest vorgenommen, die Vorweihnachtszeit mehr zu geniessen. Wenn man schon nicht in einem Büro arbeitet oder im Corporate-Strudel drinsteckt, muss es doch möglich sein, dass sich der Dezember nicht wie ein einziger Glühwein-Apéro-Shoppingstress-Blurr anfühlt, oder? Die erste Massnahme, die ich dafür ergriff, war ein vorzeitiger Weihnachts-Roll-out. Ich startete die Vorweihnachtszeit bereits im November, rund sechs Wochen vor Weihnachten. (Das ist übrigens auch der Zeitpunkt, an dem der Film «Love Actually» startet.)
Ich dekorierte meine Wohnung früher, ich veranstaltete bereits Anfang Dezember eine Weihnachtsparty, ich traf Freundinnen zu weihnachtlichen Dates und backte Kekse mit meiner Schwester und meiner Mutter. All das bereits vor dem 10. Dezember. Ich schenkte mir also selber ein paar extra Wochen.
Würde ich sagen, mein Experiment ist gelungen? Ich denke schon. Ich bin definitiv viel gelassener als in anderen Jahren. Ich weiss ehrlicherweise nicht, woran das genau liegt. Daran, dass ich mir meine Arbeit selber einteilen kann? Oder daran, dass ich mir einfach mehr Zeit gab für all die Dinge, die ich sonst in nicht mal vier Wochen packte?
Aber ich weiss, dass ich zum ersten Mal in Jahren diese Adventszeit aktiv wahrnahm. Dass ich mich nicht nur von einem Termin zum nächsten hangelte. Dass ich mich nicht müde zu einem Weihnachtsapéro schleppte und versuchte, den Moment zu geniessen, weil das ja das letzte mögliche Datum ist, an dem man die (verdammten) Lichter noch sehen kann, während man einen (zu süssen) Glühwein trinkt. Dass ich nicht dauernd das Gefühl hatte, dass eigentlich zu viel Leben los ist und zu wenig Zeit dafür übrig bleibt.
💖 Das habe ich diese Woche geliebt
Ich hatte mein erstes Fondue der Saison – ich bin ja eigentlich #TeamRaclette (jede:r Schweizer:in gehört zu einem Team, das ist ein Fakt) – und es war absolut fantastisch.
Die Yayoi Kusama Ausstellung in der Fondation Beyeler stand schon lange auf meiner Liste und sie hat mich nicht enttäuscht. Es ist eindrucksvoll, wie Kusama ihren Weg ging. Leider sind die Tickets bis zum Ende der Ausstellung bereits ausverkauft!
Die letzte Folge meines Podcasts für dieses Jahr ist im Kasten und mir wurde wieder bewusst, wie sehr ich meinen Job liebe. Die Episode wird ausnahmsweise bereits morgen veröffentlicht, damit ihr ein wenig Unterhaltung habt vor Weihnachten.
😤 Das habe ich gehasst:
Ich wollte dieses Wochenende eigentlich Ski fahren, aber ich kann nicht auf künstlich beschneite Pisten fahren, wenn drumherum alles grün ist. Ich schaffe es nicht, den Klimawandel so aktiv zu ignorieren, dass mir Wintersport so Spass bereiten könnte.
Apropos: Ich hasse es, dass ich bis heute noch keine einzelne grosse Schneeflocke in diesem Winter gesehen habe.
Ich habe eine Einladung zu einem Call über eine E-Mail-Adresse mit entsprechender Jobanfrage erhalten. Als ich den Termin bestätigte und an dem Call teilnahm, musste ich feststellen, dass es sich um einen Betrugsversuch handelte, der von einem Bot ausgeführt wurde. Auf der anderen Seite war ganz klar ein Chatbot, der versuchte, mich dazu zu bringen, auf irgendwelche Links zu klicken. Das war eine ärgerliche Zeitverschwendung.
Ich habe mich immer schwer getan mit der Idee, dass uns popkulturell vorgelebt wird, wie friedlich und besinnlich diese Zeit sein sollte, während im echten Leben alle Menschen gestresst durch die Strassen jagen. Ich bin happy darüber, dass sich das dieses Jahr anders angefühlt hat.
Und doch: Nach sechs Wochen Glitzer und Vorweihnachtszeit spüre ich, dass jetzt dann auch genug ist. Dass ich bereit bin, die Weihnachtssachen wieder zu verstauen und mich zwischen den Jahren neu zu sortieren. Vielleicht ist das der Sweet Spot – lange genug, um wirklich zu geniessen, aber nicht so lange, dass es zur Pflicht wird. Süsser werden die Glocken nämlich wohl wirklich nicht mehr klingen.
Weil ich weiss, dass manche von euch vielleicht noch immer im Abschluss-Strudel bei der Arbeit feststecken und es deshalb an Inspiration fehlt für Dinge, die die kommenden Tage schöner machen können, habe ich euch eine kleine Liste zusammengestellt. Mit Rezepten, die sich gut beim Weihnachtsfest machen und mit Last-Minute-Geschenk-Tipps.
Bevor ich euch damit füttere, will ich euch etwas anderes schenken: Die Erlaubnis, egoistisch zu sein. Versucht euch doch auch ein wenig Zeit zu schenken, wenn es irgendwie möglich ist. Und wenn es nur bedeutet, dass ihr euch einen Nachmittag in diesen Tagen gönnt, an dem ihr nicht Rücksicht auf die Bedürfnisse anderer nehmt. Sondern einfach das macht, worauf ihr gerade Lust habt. Egal, ob das bedeutet, auf dem Sofa zu liegen und ein Buch zu lesen, anstatt die Cousinen des Partners zu besuchen oder zum fünften Friendsmas zu tingeln. Oder sich alleine nochmals einen Besuch auf dem Weihnachtsmarkt zu gönnen und einen viel zu süssen Glühwein zu trinken. Oder einfach im Pyjama vor dem Fernseher zu hängen und die neuste Staffel Emily in Paris durchzubingen.
Merry Christmas!
Übrigens: Zwischen den Jahren folgt noch ein Spezial-Newsletter mit ein paar Kulturtipps für euch. Reguläre Hasse mit Liebe Post gibt es dann nach der Weihnachtspause wieder.
🔒 Hinter der Paywall: Rezepte, die beim Weihnachtsfest immer funktionieren, fünf Last-Minute-Geschenktipps (die wirklich alle lieben werden) und mein Familien-Eggnogg-Rezept, das besser ist als die meisten Desserts.
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