Foto: Unsplash/Matthias Münning

Das Praktische an Astrologie ist ja, dass man Dinge des Lebens immer dann auf irgendwelche Planeten, Sterne oder Sternkonstruationen schieben kann, wenn irgendwas im eigenen Leben besonders schief läuft. Oder besonders gut.

Mir wurde in der letzten Woche von verschiedenen Seiten erzählt, dass ab heute der Merkur rückläufig ist. Ich habe über Jahre mit der tollen Astrologin Alexandra Kruse für «annabelle» zusammengearbeitet und so quasi einen Crash-Kurs in Sachen Sternen erhalten. Ich weiss deshalb, dass ein rückläufiger Merkur bedeutet: Obacht! Wer in den nächsten Tagen zu spät kommt, Mails vergisst oder verschläft, kann das sehr gut auf eben diesen rückläufigen Merkur schieben. Oder wie Chat GPT es zusammenfasst: «Diese Zeit gilt als sowohl transformativ als auch dramatisch.» Und ich weiss auch von Alex, dass man sich schon in den Tagen davor in der Schattenphase befindet, wo allerhand Dramatisches passieren kann.

Auf genau diese Tatsache habe ich meine Laune in den letzten Tagen geschoben. Das Ende der letzten Woche fühlte sich irgendwie off an. Ich ging zu meinem Friseur, was ich eigentlich liebe, und verliess den Salon zum ersten Mal in den sieben Jahren seit ich ihn kenne irgendwie unzufrieden. Ich bekam aufregende Nachrichten, was Job-Möglichkeiten angeht und anstatt mich zu freuen, war ich verunsichert, ruhelos, nervös. Ich war auf einer Konferenz und die Tatsache, dass nur Männer auf der Bühne sassen, brachte mich so in Rage, dass ich fast den Raum verlassen hätte. Ich frage mich: Warum tue ich mir diese Branche eigentlich noch an?!
Als ich am Freitag aufwachte, wollte ich mich eigentlich einfach nur verkriechen. Ich wollte im Bett liegen bleiben, mich so klein wie möglich machen und das Leben aussen vor lassen.

Aber natürlich war das nicht möglich, weil Termine und Alltag und eine Haarsituation, die ich klären musste (dramatisch!). Also kramte ich mein Handy hervor und versuchte mit ChatGPT die Lage zu klären. Muss ich Merkur wirklich verantwortlich machen? Mir wurde erklärt, dass ich am Ende eines Transformationszyklus sei und bald Ruhe einkehren werde. Interessant fand ich, dass diese Transformationsphase anscheinend im Herbst 2021 begann, in der Zeit, in der ich damals das Angebot von Tamedia bekam. Also einfach alles ein full circle Moment?

Eigentlich mag ich genau das an der Astrologie: Sie kann einem das Gefühl geben, dass dieses ganze Chaos irgendwie Sinn macht. Wird schon, passt schon, muss so. Am Ende ist das genau das gleiche System, das auch Religionen so perfekt beherrschen. Bei der Astrologie ist es einfach mit weniger Schuldgefühlen und Frauenfeindlichkeit verbunden.
Aber dennoch ist es als pragmatischer, aufgeklärter Mensch schwierig für mich, mich dem romantischen Gedanken des wird-schon-passt-schon-muss-so wirklich hinzugeben. Weshalb ich auch keine aktive Userin der Sterne bin.

💖 Das habe ich diese Woche geliebt

  • Zohran Mamdani ist neuer Bürgermeister von New York. Hat das Einfluss auf mein Leben? Nicht wirklich. Und dennoch war ich aus der Ferne irgendwie gerührt von diesem Sieg. Die Amerikaner:innen verstehen einfach, wie ein emotionaler Wahlkampf geht. Nun muss Mamdani aber auch abliefern.

  • Es wurde gefühlt über Nacht Winter, hier in Zürich ist es eisig kalt. Das Schöne daran: Es ist Zeit, Mützen auszupacken. Meine Lieblingsmütze hat meine Freundin Sara für mich gehäkelt. (Ihr könnt euch hier auch eine bestellen, wenn ihr wollt! Das ist keine bezahlte Werbung, sondern einfach nur Freundinnen-Stolz)

  • Anfang der Woche habe ich ein Foto von meinem Bruder zugeschickt bekommen. Er hielt fest, wie meine beiden Neffen am Morgen vor der Schule beim Haare stylen meinen Podcast anhören.

  • Und grad nochmals Podcast: In einer Bar kam eine total coole Frau auf mich zu und sagte mir einfach so, dass mein Podcast ein Highlight in ihrem Alltag sei. Das schönste Kompliment, das ich mir vorstellen kann.

😤 Das habe ich gehasst:

  • Ich war in einem Taxi unterwegs und habe erneut realisiert, dass ich Duftbäume wirklich abgrundtief hasse. Diese süssen Noten von Wald, Minze oder Vanille lösen bei mir sofortige Übelkeit aus.

  • Ich habe an einer Medienkonferenz teilgenommen und gleich zwei Mal sass eine komplette Männerrunde vor mir und erklärte mir die Medienwelt. Ich habe keine Nerven mehr für Konferenzen dieser Art. Ich hätte zwei Drittel dieser Vorträge besser gemacht, oder ich hätte Frauen gekannt, die kompetenter und interessanter gewesen wären.

Ich fasste also meinen ganzen Mut zusammen und schrieb meinem Freund und Friseur, dass ich nicht zufrieden sei mit meinen Haaren. Die Highlights entlang meines Gesichts waren zu blond, ich fürchtete, zu sehr wie eine hippe Raverin aus Berlin auszusehen, was wirklich gar nicht on brand ist für mich. Ich hätte die Street Credibility niemals, um eine Frisur zu tragen, die mich automatisch ins Berghain lässt. (Apropos Berghain, wie gut ist das neue Rosalía-Album?!)

Natürlich war mein Friseur komplett verständnisvoll und nett und wenige Stunden später sass ich wieder in seinem Salon. Ende gut, Haare gut.

Aber ehrlich? Das Haar-Drama war nur ein Symptom. Die eigentliche Frage, die mich in dieser Woche umtrieb, war eine viel grössere: Was kommt als Nächstes? Welche Version von mir möchte ich sein? Und genau davor hatte ich Angst.

🔒 Im Paid-Bereich schreibe ich darüber, warum Transformationsphasen so verdammt anstrengend sind und warum ich meine eigene Arbeit immer noch kleinmache, bevor es jemand anderes tun kann.

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